Büsumer Gastronom Christof Schafer: „Ich bin froh, dass es die Flüchtlinge gibt!“

Christof Schaffer, 60, ist Inhaber der Restaurants Krabbe und „Krabbe am Hafen“ in Büsum.

AHGZ: Herr Schaffer, wie viele Saisonkräfte arbeiten in Ihren Restaurants?
Schaffer: Wir sind ein reiner Saisonbetrieb und beschäftigen ausschließlich Saisonkräfte, die aber immer schwerer zu finden sind. Deshalb bin ich froh, dass es die Flüchtlinge gibt, denn die helfen bei uns mit. Über die Saison haben wir rund 30 Mitarbeiter, davon ein Viertel Flüchtlinge mit Bleiberecht und Arbeitserlaubnis.

AHGZ: Haben Sie keine Verständigungsprobleme?
Schaffer: Das mit der Sprache kriegen wir hin, die besuchen auch Deutschkurse. Klar gibt es unter Flüchtlingen auch Luschen und Nieten, das ist ganz normal. Aber der Großteil ist fleißig, sauber und ordentlich. Wer die ersten zwei Monate bei uns übersteht, der bleibt lange. Manche sind schon das zweite Jahr dabei.

AHGZ: Was passiert denn in den ersten zwei Monaten?
Schaffer: Am Anfang bin ich piesig, also pingelig. Alles muss da hin, wo es hingehört, ich dulde keine Unordnung. Und was jemand in den ersten Wochen nicht lernt, lernt er nie mehr.

AHGZ: Eignet sich Saisonarbeit für Flüchtlinge besonders als Einstieg in das Berufsleben?
Schaffer: In der Saisonarbeit können sie erstmal Fuß fassen, um später eventuell irgendetwas anders zu machen. Bei uns fangen Sie in der Abwäsche an, da müssen die Deutschkenntnisse noch nicht so super sein. Aber untereinander müssen sie Deutsch reden, das haben wir festgelegt. Das ist für die wahnsinnig schwierig, aber wir lachen gemeinsam, wenn es mal nicht klappt, und wir haben miteinander Spaß. Wenn es mit der Sprache besser klappt, werden sie auch in allen anderen Bereichen eingesetzt.

AHGZ: Was ist die größte Herausforderung bei Saisonkräften?
Schaffer: Dass mir jedes Jahr rund die Hälfte verloren geht und ich neue Mitarbeiter finden und einarbeiten muss. Deshalb will ich das Restaurant am Hafen nun ganzjährig betreiben, um dauerhaft Mitarbeiter einstellen zu können, die dann auch bleiben.

AHGZ: Gibt der Markt das denn jetzt her?
Schaffer: Büsum ist im Aufschwung, wir hatten bisher zu wenig Hotels, aber es werden langsam mehr. Hotels tun immer der ganzen Gastronomie gut. Und das neue Hotel eines Bekannten hatte im letzten Winter unter der Woche 70% und am Wochenende 100% Auslastung. Das heißt, die Menschen kommen jetzt eben auch im Winter zu uns nach Büsum.

AHGZ: Warum wird es nach ihrer Meinung immer schwerer, geeignete Saisonkräfte zu finden? 
Schaffer: Weil viele Gastronomen ihre Leute ausbeuten und platt machen und dann wundern sie sich, wenn sie niemanden mehr finden. In meinen Restaurants bezahlen wir teilweise über Mindestlohn, haben eine faire Trinkgeldaufteilung und vor allem herrscht ein gutes Betriebsklima. Wir arbeiten hart und viel, also wollen wir auch ein bisschen Spaß bei der Arbeit haben. Wenn jemand aus dem Team Geburtstag hat, dann mache ich eine Ansage im Laden und dann gratulieren wir alle und stoßen kurz an. Selbstverständlich auch bei Ahmed aus der Spülküche, denn wir sind ein Team und ohne Spüler kann der Rest auch nicht arbeiten. Der Gast spürt die gute Grundstimmung, die bei uns im Laden herrscht, noch bevor er mit irgendwem gesprochen hat.

AHGZ: Herr Schaffer, danke für das Interview

Dieses Interview erschien zuerst in der AHGZ. Alle Rechte liegen beim Autor. 

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