Direktoren sollten sich mehr fürs Housekeeping interessieren! 

Herr Garbade, wie zeitaufwändig war es, die passenden Betten für das Fontenay auszuwählen? 

Thorsten Garbade: Der Auswahlprozess hat eine Weile gedauert. Die Planung begann vor drei Jahren: Man fängt an, sich Gedanken zu machen, die Lieferanten kommen auf einen zu, dann gibt es die ersten Gespräche… Am Anfang ist es ein schleichender Prozess, aber dann geht es ganz schnell, weil die Produktion auch rechtzeitig starten muss. Wir wussten schon vorab, dass wir die Betten bei der Firma Schramm bestellen wollen, weil sie eine der besten Werkstätten sind und sehr viele Luxushotels ausstatten. Wir sind also mit einem hohem Anspruch an den Start gegangen. 

Director of Housekeeping im The Fontenay Hamburg: Thorsten Garbade
Thorsten Garbade, 45, Leitender Housekeeper THE FONTENAY, Hamburg. Garbade ist seit 26 Jahren im Housekeeping, war zuvor u. a. im Louis C. Jacob (Hamburg), im Mandarin Orientel Hidepark (London), The Grove (London), Four Seasons Park Lane (London) und dem Vier Jahreszeiten (Hamburg).

Was ist das Besondere an den Betten von Schramm, für die sich das Fontenay entschieden hat?

Thorsten Garbade: In diesem Fall ist die Besonderheit die Zusammensetzung der einzelnen Komponenten. Wir haben als Grundlage das Boxspringbett „Savoy“ mit Unterbett, der Matratze „Grand Palais“ und einem Lotustopper. Dazu bieten wir unseren Gästen eine Kissenauswahl. Bei King Size-Betten sind das vier Kissen, zwei etwas festere Back Pillows in der Größe 60 x 90 cm, die am Kopfende stehen, und davor zwei weichere Frontpillows mit den Maßen 50 x 70cm. Dadurch hat der Gast die Auswahl gleich auf dem Bett zur Verfügung.

Wie wichtig ist ein gutes Bett für ein Hotel?

Thorsten Garbade: Im Hotelzimmer ist das Bett eines der wichtigsten Kriterien für den Gast. Was nützen Parkettboden und Amenities, wenn sie nicht gut geschlafen haben?

Erwarten die Gäste eines Luxushotels wie dem Fontenay besonders weiche Matratzen? 

Thorsten Garbade: Nein, zu weich würde ich nicht empfehlen, denn dann würde der Gast sie als durchgelegen empfinden. Es ist sehr schwierig, eine Matratze zu finden, die jedem gerecht wird, nicht zu weich und nicht zu hart ist. Man geht da am besten einen Mittelweg. Und falls ein Gast mal eine etwas weichere benötigt, etwa wegen eines Bandscheibenvorfalls, dann kann man zweiten Topper auflegen. Wenn es härter sein soll oder zu warm ist, entfernt man den Topper.

Stichwort Hygiene – verwenden Sie auch ein Encasing für Ihre Matratzen?

Thorsten Garbade: Nein, diese Hygieneschutzbezüge aus Plastik, die die ganze Matratze ummanteln, verwenden wir nicht. Sie sind vor ein paar Jahren aufgekommen, als in TV-Reportagen ausgiebig über Hygiene-Probleme in Hotels berichtet wurde. Das hat Panik in der Hotellerie verursacht, aber der Komfort für den Gast litt darunter. Inzwischen geht man wieder davon weg, denn die Gäste schwitzen darauf und dazu kommen Geräusche. Wir verwenden Spannbettbezüge aus Stoff, die atmungsaktiv sind, aber milbendicht. Diese Bezüge schützen das ganze Bett und sorgen auch dafür, dass nichts verrutscht und alles in Form bleibt. Die Topper kommen darauf und falls mal was daneben geht, kann man Bezug und Topper waschen.

Wer entscheidet über solche Detailfragen, die aber für den Gastkomfort ausschlaggebend sein kann?

Thorsten Garbade: Es hängt davon ab, ob sich die Direktoren überhaupt für das Houskeeping interessieren. Denn das wird manchmal stiefmütterlich behandelt – nicht überall, aber in vielen Hotels. Die leitenden Hausdamen sind dann oft alleine mit solchen Fragen und müssen sich um alles selbst kümmern, vom Bett bis zur Blumenvase. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn sich Direktoren mehr für den Bereich Housekeeping interessieren würden, damit teure Schnellschüsse wie mit diesen Plastikschutzbezügen vermieden werden. Denn bevor ich 200 Schutzbezüge für 75 Euro kaufe, sollte ich das doch selbst ausprobieren – und das wird nach meiner Erfahrung viel zu selten gemacht. Direktoren müssen verstehen: Das Housekeeping ist das Herzstück eines Hotels, hier macht der Gast die entscheidenden Erfahrungen und schließlich wird mit den Zimmern das Geld verdient.

Für welche Bettwaren haben Sie sich entschieden?

Thorsten Garbade: Seit 20 Jahren begleiten mich die Federwaren der Firma Mühldorfer – man findet sie weltweit in vielen Luxushotels. Für die Topsuiten verwenden wir Decken aus Eiderdaunen, das ist das hochwertigste, das es gibt. Alle anderen Zimmer habe eine Federbettdecke bestehend aus 90% Daunen und 10% Federn.

Wie sieht es bei diesen Decken mit dem Tierschutz aus?

Thorsten Garbade: Die Firma Mühldorfer legt großen Wert auf das Tierwohl und legt auch die Produktion offen, es gibt Führungen. Das ist auch für immer mehr Gäste von Bedeutung, die ab und an dazu fragen.

Welche Bettwäsche verwenden Sie?

Thorsten Garbade: Bei den Bettbezügen haben wir uns für ein Edelsatin der Firma Admiral aus Werneuchen in Brandenburg entschieden. Hier ist die Webung mit einer Fadendichte von 300 das Besondere, dadurch ist der Stoff sehr weich, knitterfrei und trotzdem langlebig. Wenn die Wäsche sich beim Waschen stark verzieht oder gar reißt, ist das für das Housekeeping eine große Herausforderung, weil zu viele Nachbestellungen das Budget sprengen. Dann hat man plötzlich keine vier Garnituren mehr, sondern nur noch drei. Und wenn dann noch ein Level wegbricht, wird es womöglich knapp, dann muss die Wäscherei auf 24 Stunden reinigen statt auf 48 Stunden, dann kann die Wäsche nicht mehr ruhen und verschleißt schneller. Deshalb haben wir im Fontenay grundsätzlich fünf Garnituren für jedes Bett.

Wie lang hält so eine Erstausstattung?

Thorsten Garbade: Die ersten zwei Jahre sollte die Wäsche reichen und dann müssen sie nachkaufen. Es kommt aber immer auf die Belegung an.

Wie sind die Reaktionen der ersten Gäste auf ihre Bettausstattung?

Thorsten Garbade: Zu jeder letzten Nacht erhalten unsere Gäste einen Feedbackbogen und darin gab es bisher nur positive Anmerkungen und noch nicht einen negativen Kommentar. Und natürlich wollten sie gern wissen, woher die Betten kommen, um sie nachzukaufen. Und das ist bei Schramm auch möglich.

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