Start-up ArtNight: Wohlfühlabend mit Erwachsenenatmosphäre

Auf jedem der zwanzig Plätze warten bereits eine Staffelei mit weißer Leinwand und Farbpalette daneben, als die letzten noch fehlenden Teilnehmer gegen 18 Uhr im Seitenraum des Cafés Anna Blume in Prenzlauer Berg eintrudeln: Hier findet heute erstmals die Art Night statt. Inhaberin Sybille Hirsch betrachtet die Vorgänge in ihrem Café aufmerksam. Der Hauptraum ist an diesem frühen Dienstagabend fast leer, im großen Außenbereich sitzen vereinzelte Gäste. „Für die Organisation eines solchen Events fehlt mir einfach die Zeit“, sagt Sybille Hirsch“, dieser Malabend bringt mir Auslastung und ich habe natürlich die Hoffnung, das die Gäste wiederkommen, wenn sie uns kennengelernt haben.“

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Mit diesen Events hat das Berliner Start-up eine Marktlücke erschlossen, von denen anfangs keiner gedacht hätte, dass sie existiert. Art Night organisiert Malkurse in Restaurants – nicht mehr und nicht weniger – und die Resonanz ist riesig! Inzwischen finden Woche für Woche rund 80 Kurse an 34 verschiedenen Orten statt. Dazu kommen private Veranstaltungen, die Art Night für Firmen oder Junggesellenabschiede durchführt. Dabei ist das Startup vor allem eine Onlineplattform, die drei Parteien zusammen bringt: Restaurants, die ihre Räumlichkeiten zu schwachen Uhrzeiten auslasten möchten, Künstler, die sich mit Workshops ein Zubrot verdienen und Menschen, die Lust auf ein kommunikatives Erlebnis haben und bereit sind, für einen unterhaltsamen Abend 34 Euro für das Ticket und zusätzliche Getränkekosten auszugeben.

Start-up bietet Kostenlose Marketing-Events für Restaurants

Leinwandwäldchen im Café Blume in Berlin-Prenzlauer Berg. ©Oliver Numrich
Leinwandwäldchen im Café Blume in Berlin-Prenzlauer Berg. ©Oliver Numrich

Das Geschäftsmodell dahinter funktioniert so: Das Restaurant stellt seine Räume kostenlos zu Verfügung, verdient aber an den Speisen und Getränken, die die Teilnehmer vor, während und nach dem Malkurs zu sich nehmen. Die Restaurants profitieren aber auch durch einen weiteren Marketingeffekt: Dadurch dass die Teilnehmer das selbst geschaffenen Kunstwerk in der Regel über soziale Medien wie Instagram, Pinterest oder Facebook ihrem Freundeskreis als Foto präsentieren, geben sie meist auch den Ort an, an dem es geschaffen wurde. Die Location erhält dadurch positive Erwähnungen und kostbare Backlinks. Die rund 100 Künstler, die für Art Night tätig sind, fungiere als Art Night-Botschafter vor Ort, sie wählen die Locations aus und vereinbaren Termine, bringen die Materialien mit, moderieren den Abend und werden anschließend von den Teilnehmern bewertet – danach richtet sich zum Teil auch das Honorar, das sie für den Abend erhalten.  Die Teilnehmer suchen sich das passende Event auf der Webseite von Art Night aus, reservieren und bezahlen online mit Kreditkarte, Paypal oder Sofortüberweisung. Selbstverständlich gibt es auch Geschenkgutscheine zum Ausdrucken, denn diese Art von Event wird auch gern an als (Not-)Geschenk für Eltern, Kollegen oder befreundete Singles ähnlich den Erlebnisgutscheinen von MyDays oder Groupon gebucht. Art Night kauft in großen Mengen das Material wie Leinwände und auswaschbare Acrylfarbe vom deutschen Hersteller Marabu ein, verteilt diese an die Künstler, aber vor allem kümmert es sich um die Akquise von Locations, Künstlern und Teilnehmern. Ihre Kernkompetenz ist deshalb im Wesentlichen das Online-Marketing.

Künstler als Entertainer: Der Kurs lebt von einer fröhlichen Atmosphäre, die maßgeblich von den Künstlern geprägt wird.
Künstler als Entertainer: Der Kurs lebt von einer fröhlichen Atmosphäre, die maßgeblich von den Künstlern geprägt wird. ©Oliver Numrich

„ArtNight sind Events, auf denen über die Malerei soziale Kontakte geschaffen werden“, erklärt Pressesprecherin Dana Ratschke, „ein Freizeittrend, bei dem es darum geht, die Smartphnes weg zu legen und Leute zusammen zu bringen.“ Dabei sei es egal, ob man allein oder als Gruppe komme, denn über das gemeinsame Malen komme man sehr schnell mit den Sitznachbarn in Kontakt. An jedem Abend steht ein Kunstwerk eines berühmten Malers wie Frieda Kahlo, Vincent van Gogh oder Katsushika Hokusai, oder Bildmotive wie Tag am Meer, Stadtsilhouetten oder Sonnenuntergang als Vorlage im Mittelpunkt. Die angebotenen Motive sind danach ausgewählt, dass sie jeder innerhalb von zwei bis drei Stunden nachmalen kann, selbst wenn er zuletzt in der Schulzeit einen Pinsel in der Hand hielt. „Von den Kunstkursen an der Volkshochschule unterscheiden wir uns durch den Entertainement-Faktor“; sagt die 37-Jährige, „das gemeinsame Erlebnis, gern auch begleitet von einem Glas Sekt oder Wein, steht im Vordergrund.“

Die Ursprungsidee stammt wiedermal aus den USA. Mitgründer David Neisinger hat eine „Social Painting Party“ 2016 in New York miterlebt, bei der es allerdings viel weniger um das Malen, als um eine Möglichkeit des geselligen Kennenlernens ging. Zurück in Deutschland hat der Serien-Entrepreneur, der nach dem Studium an der Otto Beisheim School of Management bereits Unternehmen in Indien und Dubai aufgebaut hat, beschlossen, Art Night in Deutschland zu gründen. Und zwar gemeinsam mit seiner guten Freundin Aimee Carstensen-Henze, die zu diesem Zeitpunkt noch Projektleiterin eines 40-köpfigen Teams bei der Bertelsmann-Stiftung war.

„David und ich wollten schon immer was zusammen gründen“, erinnert sich die 29-jährige studierte Betriebswirtin, die damals ihren sicheren Job in Gütersloh aufgab und für das Start-up nach Berlin umzog. „Für uns war Berlin das schwierigste Pflaster, weil das Kultur- und Freizeitangebot hier so riesig ist und vieles kostenlos. Aber wir wußten, wenn wir es hier schaffen, wird es auch woanders klappen.“ Also haben beide Workshops getestet und Flyer auf Straßenkreuzungen und Weihnachtsmärkten verteilt und dabei sehr direktes Feedback von den Passanten eingesammelt. Alle fanden es am Anfang irgendwie doof. So ein Konzept gab es ja noch nicht in Europa, keiner hatte davon gehört oder konnte sich etwas darunter vorstellen.“ Mit der Zeit kristallisierte sich das Alleinstellungsmerkmal ihrer Kurse heraus, auf das potentielle Kunden anspringen: Das Erlebnis. Damit überzeugten sie in einer 2017 ausgestrahlten Folge der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ sogar Medienmanager Georg Kofler, der bei ihnen als Investor einstieg. Insgesamt sammelte das Startup 320.000 Euro von vier Investoren ein. Anfang des Jahres 2018 – nur knapp ein Jahr nach der Gründung – erreichten sie ihren Break-even. Und die Zukunft des Startups sieht rosig aus: „Es gibt zurzeit praktisch keine Wachstumshemmnisse für uns“, sagt Aimee Carstensen-Henze in den nächsten Monaten expandieren wir in benachbarte europäische Märkte und beginnen in den Niederlanden.“

Der Artikel erschien zuerst in der http://www.ahgz.de

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